SV Eintracht Windhagen
1921e.V.

2. Zugspitz-Extrem-Berglauf am 10.07.2011

[MH] 10.07.2011, morgens um 05:00 Uhr, der höchste Berg Deutschlands beginnt sein Spiel mit den Läufern, die an diesem Tag auf den Gipfel laufen möchten.

Wir werden sehr unsanft geweckt, mit Donner und Blitz begrüßt uns die Zugspitze in den Tag, ein Unwohlsein macht sich in mir breit. Beim Frühstück um ca. 07:00 ist der Spuk vorbei, leichter Wind von Westen lässt die Wolken und den Nebel abziehen und der Berg zeigt sich in seiner gesamten Pracht. Ein wunderschöner Anblick. Als positiv denkender Mensch sagte ich nur: „Der liebe Gott hat für uns Läufer den Gipfel nochmals gereinigt!“

Ich erreiche den Startbereich morgens um 08:00 Uhr und bereite mich auf den Berglauf vor, unterhalte mich mit vielen anderen Läufern aus der gesamten Republik und wir lauschen alle den Worten des Veranstalters. Wir werden sehr gut auf die Strecke und das Wetter vorbereitet, tadellos, wie es die gesamte Organisation war.

Schließlich fällt der Startschuss um 09:15 Uhr und das Läuferfeld von knapp 650 Personen setzt sich in Bewegung.

Auf dem ersten Kilometer werden wir durch sehr viele Zuschauer förmlich mit Applaus in den Berg gejagt.

Die Strecke:

Die nackten Tatsachen, es müssen auf einer Strecke von 17,94 km insgesamt 2235 HM überwunden werden. Auf dem Mittelstück der Strecke ist eine etwa 300 HM Bergabpassage zu laufen.

Der Start erfolgt im österreichischen Ehrwald auf dem Martinsplatz auf etwa 1020 m.ü.NN. Zunächst führt die Strecke über Asphaltstraßen bis zur Ehrwalder Alm (1502 m.ü.NN), die ersten 5 km sind erfüllt. Schon auf dieser Strecke werden durch viele Läufer Gehpausen eingelegt, der Anstieg ist gnadenlos und lässt die Körner schmelzen, man muss mit seinen Kräften und Energiereserven haushalten.

Von hier ab geht es über geschotterte Fahrwege weiter zur Hochfeldern Alm (1732 m.ü.NN), noch läuft man an idyllischen Weiden und an grasenden Kühen vorbei, so mancher Vierbeiner wundert sich über uns zweibeinigen Läufer, gut dass wir deren Gedanken nicht lesen konnten.

Von nun an werden aus breiten Wegen schmale Pfade, diese sind heute zum Teil sehr schmierig durch das Gewitter heute morgen.

Über das Feldernjöchel (2045 m.ü.NN) erreichen wir das Gatterl auf 2124 m.ü.NN. Das Gatterl ist die deutsch-österreichische Grenze, durch ein schmales Tor am Grat gelangt man auf die deutsche Seite und wird durch einen atemberaubenden Anblick überrascht. Hier bleiben viele stehen um ein paar Fotos zu schießen.

Nach der Grenze geht es zunächst ca. 300 HM bergab, das Laufen ist sehr schwierig, da wir uns jetzt auf recht unwegsamen Geröll befinden. Laufen und Gehen wechselt sich ab, die Verletzungsgefahr ist zu groß. Nach der Bergabpassage geht’s natürlich wieder hoch und wir erreichen die Knorrhütte auf 2051 m.ü.NN. Die vorletzte Verpflegungsstation vor dem Gipfel. Beim Anblick des folgenden Anstiegs nimmt man gerne zwei Schluck Getränke zu sich, es geht über steile Serpentinwege hoch zum „WeißenTal“. Nur noch wenige Schneefelder sind hier oben zu sehen, der Schnee ist dem Sommer gewichen, was aber das laufen nicht einfacher macht. Eine unendliche Geröllwüste ist zu überwinden.

Ich passiere ein Streckenschild mit dem Hinweis „noch 2,4 km“, das Ziel ist längst zu sehen. Ich rechne den Schnitt um und denke es dürften noch 10 – 15 Minuten zum Gipfel sein. Aber ich sollte mich fürchterlich täuschen, in den Bergen zählt nicht die Distanz, sondern die Höhenmeter. Die Höhenluft wird dünner und das macht einem zusätzlich zu schaffen.

Nach 16,6 km erreichen wir das Ziel der Nordic-Walker, den Sonnalpin (2580 m.ü.NN). Noch 1,3 km, Kinderspiel? Nein! 400 HM sind zu überwinden. Zuerst geht es über Geröll und danach durch Felsspalten sehr steil bergauf. Laufen unmöglich. An den Sicherungsseilen ziehen wir uns Meter für Meter dem Gipfel entgegen. Nie brauchte ich für 1,3 km länger als heute. Gelegentlich kann man die grandiose Aussicht genießen und für ein paar Sekunden durchatmen. Der Pulsmesser ist schon lange im roten Bereich, egal, weiter geht’s.

Am Ziel hören wir bereits die jubelnden Zuschauer, die sich auf den abwegigsten Felsen einen Platz gesucht haben. Anfangs jagten sie uns in den Berg, jetzt rufen sie uns auf den Gipfel.

Nach 04:01:00 Stunden ist der Berg bezwungen, überglücklich laufe ich durch das Zieltor und genieße den Applaus der Zuschauer. Jeder Finisher bekommt direkt nach dem Zieleinlauf eine Medaille um gehangen und alle wurden durch den Sprecher namentlich auf dem höchsten Berg Deutschlands begrüßt.

Der Berg setzt sein Spiel fort. Nachdem er uns morgens mit Blitz und Donner weckte verscheuchte er uns jetzt wieder. Der Höhengenuss dauerte nicht lange an. Die Zugspitze legte einen Wolkenmantel um sich, die Temperaturen gingen sofort in den Keller und ein Verabschiedungsgewitter zog auf. So machte ich mich nach kurzem Aufenthalt zur Tiroler Zugspitzbahn auf und fuhr wieder hinab ins Tal. Während der Talfahrt fing es an heftig zu regnen. Der Berg verabschiedete uns so wie er uns morgens weckte, mit Donner und Blitz.
der Startbereich

Weg zur Hochfeldern Alm 

Blick zurück zur
Ehrwalder Alm
 

 

schmale Pfade wechseln
die Wege ab
 

im Berg wirkt der
Mensch winzig

die ersten Geröllfelder

der Blick zum Gatterl

und wieder Bergauf

das Gatterl

atemberaubender Blick auf deutsche Seite Anfang des Weißen Tal 

 

Blick vom Sonnalpin zum Ziel 

im Ziel

Blick vom Ziel zum Sonnalpin
2011-07-10-zugspitz.pdf
zugspitz-urkunde.pdf